Die Skeptiker

Die Skeptiker

Eine Woche vor Heiligabend 2021 veröffentlichen Die Skeptiker ihr Geburtstagsalbum. Aufgezeichnet wurde 2019 es im Festsaal Berlin Kreuzberg. 35 Jahre Die Skeptiker, 60 Jahre Eugen Balanskat, Anlass genug, ein Live-Album auf die Hörerschaft loszulassen, das nicht nur Nostalgie aufkommen lässt, sondern auch mit neueren Songs unmissverständlich zeigt, dass Punkrock noch nicht tot sondern immer noch aktuell und voller Energie ist. Ich muss zugeben, dass mir dieses Review etwas schwer fällt.

Seit ich vor ca. 15 Jahren die „Schwarze Boten“ in der Hand hielt, liebe ich diese Band, die mich mit ihren durchdachten Texten, den vielfältigen musikalischen Einflüssen von schrammelig, über tanzbar bis progressiv und kraftvollen Produktionen seither begeistert.

Das wirklich gelungene Intro heizt ordentlich an und lässt ab dem ersten Song die Stimmung kochen. Der Sound ist für einen Live-Mitschnitt äußerst druckvoll und steht einer Studioproduktion in nichts nach. Viel mehr sorgt die Dynamik und Energie der Band, angestachelt vom Publikumsfeedback für ein Hörerlebnis, das besonders in der aktuellen Situation eine Flucht in ein Meer aus Erinnerungen und Konzertträumerei ermöglicht.

Das Geburtstagsalbum bietet mit seinen bis zu 27 Titeln, je nach vorliegender Version, einen gelungen Querschnitt in das Schaffen vom Anfang bis zur Gegenwart. Die älteren Songs leben durch die erneute Präsentation auf dieser Platte zu neuem Glanze auf, die neuen schmiegen sich nahtlos ein. Lied für Lied treibt die Band den Hörer weiter, vor, zurück und ins Innere, in die Reflexion, den Genuss der Texte. Die Wahl der Titel ist durchweg gelungen und kann bei solch langer Bandgeschichte natürlich nicht alle Hörer-Favoriten beinhalten. Mir fehlen einige Titel aus der progressiveren, metal-lastigen Phase, aber das ist natürlich rein subjektiv.

Eine Band, die so viel Energie auf der Bühne ausstrahlt, Songs präsentiert die mitunter 30 Jahre oder älter, aber nicht weniger aktuell sind als die der letzten Tonträger, hat solch ein großartiges Live-Album mehr als verdient!

So sitze ich hier, schreibe das Review, angeheizt von Erinnerungen an vergangene Konzerte, Gespräche im Backstage und meinen ersten Kontakt mit Die Skeptiker auf CD, ohne zu wissen, worauf ich mich einlasse. Diese Platte gibt Hoffnung und lässt mich von zukünftigen Konzerten träumen.

Ich danke für das Hörerlebnis, schnappe mir meine Gitarre und hoffe, etwas von eurer Energie mit in den Proberaum zu nehmen!

Tracklist


1 Intro
2 Alright My Boys
3 Wochenendgewalt
4 JaJaJa
5 Da wo man Singt
6 Aufsteh’n
7 Titania
8 Ego
9 Gas 14/18
10 Dada in Berlin
11 Komm tanzen
12 Erwartung
13 Deutschland halt’s Maul
14 Hinter den Mauern der Stadt
15 Wann oder wie
16 Kein Weg zu weit
17 Gnadenlos
18 Straßenkampf
19 Der Rufer in der Wüste schweigt
20 Pierre und Luce
21 1918
22 Unmut

TEXT: Oliver Sommer