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Torsten Schramm (TaktArt/Sober Truth) im Interview

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10 Jahre Bauhaus Live. Vor 10 Jahren noch im Durchschnitt mit 10 Besuchern. Viele Bands haben das Bauhaus Live in Troisdorf bereits beschallt. Wie ist das Bauhaus Live entstanden? Erzähl‘ doch mal etwas über die Geschichte.
„1994 betrat ich das damals noch als Cafe BAUHAUS bekannte Jugendzentrum in Troisdorf, um für meine erste Band NOTHAMMER nach ´nem Gig zu fragen. Wir stellten uns ohne PA und nur mit der Proberaum Backline mitten in die Turnhalle und spielten, unvergessener Abriss. Spielverbot folgte. 2006 suchte ich für meine Band NEKTRA Auftrittsmöglichkeiten, um unsere damalige „Clockwork Life“ CD auch Live zu präsentieren, und lief 12 Jahre später wieder in den Club. Die Chefin immer noch die gleiche, zeigte mir die kleine Disco und ich erschrak, wie kann man hier nen Gig durchziehen? Keine Anlage, kein Licht, aber Bühnenelemente. In den Jahren von 2006 – 2008 schleppten wir diverse Male unsere hauseigene Pa in diese kleine Disco und veranstalteten dort bereits in regelmäßigen Abständen kleinere Konzerte.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Organisation in der doch recht kleinen kuscheligen Location?
Am Anfang war es ein Kampf, eine geeignete Pa dort zu installieren, damit wir nicht jedes Mal eine Pa auf – und abbauen mussten. Die Herausforderung war immer der Sound in der kleinen Disco, so dass wir recht dankbar sind, einen Techniker zu haben, der das Bauhaus, wie keiner kennt und immer einen qualitativ hochwertigen Sound im Kuschelclub zimmert. Michael Haas vom Big Easy Studio, der zwar nicht als Live Techniker mehr unterwegs ist, für uns aber eine Ausnahme macht. Für die Bands ist es gar nicht so schlecht, da die Bühne 4x 5 Meter besitzt, schwierig war es immer, das Mischpult so zu platzieren, dass es keinen stört, aber immer noch der beste Platz zum Mischen ist.

Was ist deine schönste Erinnerung in den letzten 10 Jahren der Veranstaltungen?
Davon gibt es unzählige, hier sind verdammt viele (pro Jahr 35 Bands) hervorragende Live Acts der hiesigen und vom ganzen Bundesgebiet her durch das Bauhaus gezogen. Die schönsten Momente hatten wir natürlich immer, wenn der Club mit 60 Gästen randvoll erschien und die Bands vor lauter Spielfreude (weil unsere Zuschauer fordern) nicht mehr von der Bühne wollten. Wir haben pro Jahr auch immer ein Highligt einbauen können, so das hier alle auf ihre Kosten kamen. Der Mix ist es, wir liefern von Thrash, Progressive, Power, Melodic, Death – alle Spielarten des Heavy Metal´s und dessen Auswüchse in allen Formen. Support the Underground ist für viele ein Spruch, leicht daher gewimmert, für uns heißt das „WIR LEBEN ES“

Torsten mit seiner Band SOBER TRUTH

Torsten mit seiner Band SOBER TRUTH

Ist auch schon mal etwas richtig schief gegangen? So das du dich gefragt hast, macht es überhaupt noch Sinn?
Ja natürlich, in den ersten 5 Jahren war es ein ständiger Kampf, keinen juckte die Eventreihe wirklich, der Zuschauerschnitt war so auf Dauer nicht tragbar für Kosten / Nutzung, ergo ein Desaster. Hier hatte ich quasi Monat für Monat mir die Überlegung gestellt, es einzustampfen. Schief gegangen ist aber kaum etwas in der ganzen Zeit und es hat sich auch ein Klasse Team herausgebildet, die hinter der Eventreihe BAUHAUS LIVE TROISDORF stehen. Sinn macht es immer, denn gerade in der heutigen Zeit, das hat sich nie verändert, ist Plastik überall nur Plastik und so auch im Musikbiz. Die Leute werden gefüttert von den Mainstream Medien und wundern sich und wundern sich, dass sie so viel Scheiße konsumieren müssen. Das geht halt auch anders, in unserer geliebten Szene gibt es so viele interessante und qualitativ hochwertige, hervorragende Live Bands, wo ich kein Gewimmer über das Radio oder den anderen Kanälen mehr brauche. Hier läuft ordentliche Mukke! Die nächsten 5 Jahre liefen mehr als fabelhaft, so dass wir mittlerweile einen Zuschauer Schnitt von 60 haben!

Würdest du sagen, dass viele dem Underground keine Chance geben und daher fern bleiben?
Nein, das würde ich nicht sagen. Ich bin jetzt seit 1992 im Underground verbunden. Es war und ist immer noch so, dass bei den vielen Variationen und Genres an Bands, sich halt nur einige etablieren oder gar erfolgreich werden können. Meiner Meinung nach gibt es einfach zu viele (gerade in der heutigen neuen medialen Welt) Bands, die meinen das sie eine sind. Aber ab wann ist eine Band, eine Band die auch besucht werden sollte? Die Hobbyflitzen, die mal nen Jahr spielen und dann schnell merken, dass es viel und dauernde Arbeit ist, oft mit Freundes Familien Stress konfrontiert werden, da alle Zeit investiert wird, um ernsthaft Musik zu machen, oder was auf die Beine zu stellen. Es gibt auch viel weniger Musikkonsumenten als früher und in einer anderen Form. Die Möglichkeiten für eine neue Band, oder einer Undergroundband sind heute so groß, das sie doch ohne Geld, Fleiß kaum eine Chance haben in den größeren Markt zu gelangen. Aber will man das als Band? Ja , früher oder später muss es sich rechnen, denn eins ist klar eine echte Live Band zu unterhalten, kostet nicht nur Zeit, sondern viel Geld. Wenn das Publikum immer ausbleibt, geht es halt nicht. Es fehlt im eigentlichen an einer Förderung vom Staat oder Subventionen für Musiker, Locations Veranstalter und auch dieser Undergroundkultur. Die Lobby ist klein, deshalb heißt es auch Underground. Dieser verteilt sich an vielen Abenden an verschiedenen Orten, meist auch gleichzeitig. 90 % der Bevölkerung hört das, was die Massenmedien ihnen bieten, das war auch schon immer so, trotz dieser neuen und vielfältigen Möglichkeiten, was das Internet an Musik zu bieten hat.

Wie lange brauchst du, um eine einzelne Veranstaltung zu planen und zu koordinieren?
Für unsere Eventreihen „BAUHAUS LIVE“ und „CLUB SHOW BONN“ relativ wenig an Planung. Es war eine komplexe und zeitintensive Arbeit, alles aufzustellen, doch wenn die Partner, die Techniker, der Raum etc. alles steht und es an regelmäßigen Abenden Konzerte gibt, haben wir ein Automatismus in den Abläufen erreichen können, die pro Konzert uns sehr viel Zeit spart. Es muss halt vernünftig koordiniert sein mit einem Konzept im Hintergrund, dann geht es. Die meiste Zeit wird für das Bewerben der Events genutzt.

42972005_1960013604036656_5484506768354574336_nUnd inwiefern unterstützen dich Außenstehende wie zum Beispiel die Teilnehmenden Bands?
Ich habe ja 2 Sichten und viel an Erfahrungen sammeln dürfen im Umgang mit Bands oder mit Veranstaltern im kleinen wie im größerem Umfeld. Wenn ich aus Veranstaltersicht auf die Dinge schaue, gibt es kaum Unterstützung seitens der Bands, man merkt hier schnell – wer will was mit der Band wirklich erreichen und wer halt nicht und macht es halt nur zum Fun, außer es ist was zu meckern da, da macht auch der Spaß Mann fröhlich mit. Wichtig hier ist im Vorfeld zu klären. Gibt es Gage? Gibt es Spritgeld ? Essen ? Trinken? etc… was abgemacht ist, muss gehalten werden. Zum zweiten gibt es meiner Meinung nach zu viele Bands, wenn die fix sind und einen Slot erwischt haben, dann machen diese oft gar nichts mehr (außer mal auf Teilen bei FB drücken). Und wünschen es sich, das der Veranstalter des jeweiligen Konzertes sich ja bemüht. Das funktioniert nur bei NAMEN! Nicht, wenn die Band aus einem Dorf 400km weit gefahren ist und sie hier keiner kennt, es wird keiner kommen. Die Erwartungshaltung muss runter. Also aus Sicht eines Veranstalters wünsche ich mir da viel mehr an Unterstützung. Aus Sicht einer Band, die viel unterwegs ist und sich den Arsch aufreißt, ob 3 oder 45 Zuschauer und immer alles gibt, geil zockt und authentisch es LEBT … JA DIESE MÜSSEN MEHR UNTERSTÜTZT WERDEN!

Wie viel Zeit steckst du in Marketing & Promotion?
Zu viel rein zu wenig raus, unser Motto :-)! Wir werben viel und dauernd, unterhalten uns mit Künstlern, den Technikern, den Merchern, den Gästen anderen Veranstaltern und tauschen viel in der Community untereinander aus. Wir haben mittlerweile eine sehr gute Kontaktdatenbank an Bands und Locations. ich hatte mir mal die Mühe gemacht, es ein wenig in Zeit zu rechnen. Ich kam pro Veranstaltung, inkl. Anfragen, Mails, Telefonaten, Werbung und Promotion, Einstellen der Events auf den Internetportalen auf 40 Stunden pro Show.

Wie pflegst du den Kontakt zu den Bands und Partnern? Was ist dabei das wichtigste für dich?42901581_294455571281634_1516684575785353216_n
Der höchste Anteil der Kontaktpflege läuft über Mails, Telefon und den sozialen Netzwerken. An den Tagen, wo eine Veranstaltung ist, betreiben wir einen intensiven Austausch mit allen Beteiligten und den Besuchern. Hier ist das Wichtigste, dass es auch Spaß machen kann, trotz der Verantwortung und auch immer parat und ansprechbar zu sein, denn darum geht es ja auch. Seinen eigenen Bedürfnissen entsprechend, den Abend mit tollen netten Menschen zu verbringen. Und in unserer so liebevoll benannten Underground Welt gibt es nun mal so tolle Charaktere, Figuren und Marken, so dass es für diese gelebte Leidenschaft uns einen Zugewinn an Lebensqualität bedeutet. Das ist der Reiz und die Energie, die uns Musik ja vor allem Live Musik gibt.

Inwiefern denkst du, hat sich der Underground in den letzten Jahren mit dem Internet verändert? Sind die Social Medien ein wichtiger Bestandteil für Bands und Veranstalter?
Es verändert alles, die Interaktion fand früher mehr auf Partys, Events oder halt draußen statt. Das ist immer noch so, aber der Hauptbestandteil von Bookings, Anfragen, Promotion Aktivitäten laufen natürlich über das Internet. Obwohl die Mund zu Mund Propaganda immer noch das beste Mittel ist, dass jemand auf Dein Konzert oder Deine Events geht. Auf jeden Fall hat es sich verändert, dass der Druck zunimmt, und man schnell das Gefühl hat beim nicht mitziehen, das man als Band verschwindet in der Wahrnehmung von Außen. Es nutzen halt alle dieses gemeine Gesellschaftsverändernde Zeuchs. Es ist, denke ich als Band oder Veranstalter nicht möglich, ohne auszukommen oder zu werben.

Welche Underground Bands leiden am meisten unter den Mainstream Bands? Hast du hier eine Anekdote für Newcomer?
Hut ab vor jeder Band die Erfolg hat und zwangsläufig ja in die Mainstream Maschine hineinkommt. Es ist völlig klar, wenn man auf die Musik setzt, muss irgendwann Kohle zur Finanzierung rein, so wird jede Band, die es ernst meint, am Ende Mainstream werden müssen, wenn sie sich finanziert wissen will. Leiden ist das falsche Wort, denn die großen Bands wirken ja als Vorbilder, dass man selbst in einer EGO Gesellschaft, noch was reißen kann. Das Problem ist eher, dass man als Band, sobald Verträge reinkommen, sich bindet und auch Vorgaben erfüllen muss seitens Labels, Management etc. Das wirkt auf die Musik, diese wird Massenkompatibler, also jedem das seine wo er glücklich mit ist. Ich persönlich rate davon eher ab, vorschnell in die vertraglichen Schienen zu springen, außer man hat Bock drauf und mag Cover. Bei uns gilt no cover no bullshit, wir mögen es einfach nicht, zu covern. Kann ich mir nicht antun, aber wie man sieht, die Leute mögen es und rennen massenhaft auf irgendwelche Konzerte mit Cover Bands, nix für uns. Ekelhaft.

42981101_488454458336490_173509652191903744_nBevor ich mich jetzt gleich von dir verabschiede. Welchen Tipp hast Du für die Leser, die auch Veranstalter werden möchten oder für die, die eine Band gründen wollen?
Werde nie Musiker und Veranstalter wenn Du arbeitsscheu bist. Ohne Fleiß, Einsatz und den eigenen Willen gepaart mit einem Selbstantrieb, der durch nichts und niemanden gestört werden kann, ist es auch heute möglich, Aufmerksamkeit bei Fans und Freunden mit seiner Band zu erzielen. Es sollte authentisch sein, ehrlich und der Fan oder Gast im Club muss merken, die meinen das ja ernst. Nur so generiert man als Band „echte Fans“ das andere ist nur Spaß und Eier kraulen. Bei Bandgründung ist es ganz wichtig, die Leute sofort aus der Band zu nehmen, für die alles andere an Terminen wichtig ist, die Musik nur als Nebensache sehen (das wird nix und Spaß ja aber dann bitte nicht mit halbgaren und Laberaffen). Mit Taktart zum Beispiel sind wir sehr zugänglich für neue, frische und junge Talente und wir merken schnell, ob was dahinter steckt, wenn ja fördern wir diese und generieren Auftrittsmöglichkeiten.

Ich danke dir für deine Zeit. Die letzten Worte überlasse ich dir. Hau raus was du schon immer sagen wolltest, aber noch nie die Möglichkeit dazu hattest. Und allen Lesern, schaut bei den Veranstaltungen von Taktart und BlattTurbo vorbei. Hier werdet ihr nie enttäuscht werden.
Du hast es ja schon gesagt, kommt Rum, wir bleiben dran der Szene weiter unterstützend zur Seite zu stehen, wir lieben das, was wir tun und es gilt immer weiter spannende neue und talentierte Bands auf die Bühnen zu verhelfen. Vielen Dank Martin, für diese Gelegenheit, Euch unsere größte Mini Agentur hoffentlich etwas näher gebracht zu haben!

Homepage Taktart: https://www.taktart-con.de

Facebook Taktart: https://www.facebook.com/taktart

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