33720262_1657427977639628_5908263102364778496_o

Interview mit FORTY SHADES

Hey zusammen! „Blackstar Diamond“ hat mich dazu bewegt, Euch genauer unter die Lupe zu nehmen. Stellt Euch doch erstmal vor und verratet uns, wer welchen Part übernimmt und was Euch zusammengeführt hat.
FORTY SHADES ist 2007 aus der Band NAGOR MAR entstanden, von der noch im Original Drummer Chrigu Wittwer und Keyboarder Tobi Gut dabei sind.
Ursprünglich als female- fronted symphonie-metal Band mit Manuela Kraller (Ex-XANDRIA). Hinzu kamen Luk Mille und später Joel Hammer- Guitars und Gode of Wrath am Bass zuletzt, und adaptierten das Ganze mit Tosse Basler an den Vocals. Gefunden hatte Tobi 2012 eine Annonce von Tosse, der ein Projekt als reiner Sänger suchte, da er sonst immer Sängergitarrist war, um seine Visionen zu verwirklichen.

NAGOR MAR ist ja der ursprüngliche Name der Band, welche Bedeutung hatte er?
Der Name bedeutet „Dunkles Meer“, was sich musikalisch in einer melancholisch, düsteren Stimmung widerspiegelte.

Euer Debutalbum „Camera Silens“ (2015) erntete europaweit, insbesondere in Italien, Frankreich und natürlich der Schweiz, zahlreiche positive Kritiken. Hattet ihr jemals damit gerechnet? Was war Euch an dem Album besonders wichtig?
Natürlich haben wir gehofft, dass jemand unsere Leidenschaft und die mit Herzblut komponierten Stücke würdigt, aber das ist in der Musikwelt, dem Business sehr selten. Man kann es nicht erwarten, weil es nicht wirklich ein Maßstab ist: Wer gut ist= Erfolg, gilt hier nicht(-;…Da die Band insgesamt einen sehr hohen kreativen Output hat, insbesondere Tobi, der quasi Tag und Nacht Songs schreibt, war es uns wichtig die Musik nicht um des Kommerzes Willen allzu sehr zu beschneiden und dennoch einen gewissen Flow und Homogenität zu erhalten.

Folgende Frage brennt mir unter den Nägeln: Glaubt ihr dass in der heutigen Zeit die Beziehungen in der Musikbranche eine grosse Rolle spielen um voran zu kommen?
Ich würde mal sagen, dass sich da nichts geändert hat. Das war früher schon so und ist heute nicht anders.Interessant ist für mich zu beobachten, seit ich mit CREMATORY unterwegs bin, dass sich die ‘Wichtigen Leute‘ immer wieder auf bestimmten Gigs oder Festivals treffen…manchmal, weil sie gerade eine Band betreuen oder eben wegen den Geschäften- die werden nämlich hier am Tisch Backstage, oder beim ‚Absacker‘ in der Hotelbar, beim scheinbaren Smalltalk,be- und ausgehandelt. Nicht wie man denken würde ich schreibe oder rufe XY mal an usw., das kommt danach, aber der erste Schritt ist sozusagen auf der ‚Strasse‘, bzw. auf- und hinter der Bühne oder im Anschluss an die Show.

Tosse, Du hast einen unverwechselbaren Sound in der Stimme. Seit wann singst Du eigentlich, wurde es Dir in die Wiege gelegt?
Naja, du kennst doch bestimmt den Film Rockstars und kennst das berühmte Zitat des Gitarristen zur Stimme des Sängers, auf die Frage der anwesenden Presse hin, warum er denn so toll singe?;-)…Ok, im Ernst…Als ich damals mit POISON ASP meine ersten größeren Schritte machte, hatten wir bis zum ersten Demo 1985 noch explizit verschiedene Sänger und ich war reiner Gitarrist. Ich hatte damals wie heute meine Visionen und Vorstellungen wie meine Band, mein ‚Baby‘ zu klingen hat und ich war oft unzufrieden mit den Vocals. Also sagte ich mir: „Nimm es selbst in die Hand“, so dass ich ab 1986 als Sänger/Gitarrist unterwegs war. Ok, am Anfang war das glaub ich noch nicht so toll, aber entscheidend war die Leidenschaft, das Feeling und eben die Vorstellung wie es sein soll und so hat sich über die Jahrzehnte die Stimme geformt und auch verändert.

Meine Recherchen haben ergeben dass ihr bald auf Tour geht. Was ist Euch persönlich lieber, kleinere Locations mit familiärer Atmosphäre oder grosse Hallen mit Masse?
Ich für meinen Teil kann sagen, seit ich mit CREMATORY unterwegs bin, dass ich die Nähe zum Publikum und die Atmosphäre in den Clubs sehr schätze, aber so ein Festival, wie das METALFEST in Pilsen/CZ ist schon der Hammer, wenn 10000 Leute deine Songs mitsingen und einfach alles in Flammen steht… FORTY SHADES hatte da jetzt noch so viele Möglichkeiten… hoffe da kommen wir noch hin.

Die Songs auf dem neuen Album „Blackstar Diamond“ sind, wie ich mitbekommen habe, bis auf wenige Ausnahmen zusammenhängend und erzählen eine Geschichte. Ist dies der Beginn einer Reise auf welche ihr die Fans mitnehmen wollt? Folgt eine Fortsetzung?
Die Story ist als zeitlose Metapher für die Situation in unserer Welt zu verstehen und soll dazu anregen in die Tiefe zu gehen, kritisch zu sein, nicht wegzusehen; aber auch die eigene Weltanschauung zu hinterfragen und nicht zuletzt, hoffentlich gute Unterhaltung zu sein.
Aus momentaner Sicht würde ich sagen, ist es eine in sich geschlossene Geschichte und bedarf keiner Fortsetzung, was ich aber wiederum auch nicht ganz ausschließen will, weil die Möglichkeit dazu besteht. Es kann aber auch gut sein, dass beim nächsten Album eher wieder einzelne Themen zum jeweiligen Song behandelt werden.

Gibt es etwas was Euch besonders am Herzen liegt, was Euch bewegt und was ihr unbedingt loswerden wollt?
Das die Fans auch kleine Bands supporten, Konzerte besuchen und die Szene am Leben erhalten und auch nach wie vor beim leidigen Thema des CD Kaufs aktiv sind. Wenn irgendwann für die Musiker faire Abrechnungssysteme bestehen, wird sich das Thema Streaming auch relativieren.

Abschließend stellt unseren BlattTurbo Lesern doch mal Euer neues Album in drei Sätzen vor?
Von den Lyrics her handelt es sich um ein Konzeptalbum mit zwei Handlungssträngen:

1. Die Überheblichkeit der Menschheit, die Anmaßung an Gott, respektive Gottheiten und den tief verwurzelten Drang der Menschen sich selbst zerstören zu müssen.
2. Die auf Dualismus beruhende Existenz, die sich in Allem widerspiegelt. Musikalisch zeigt sich das Ganze in einer Art atmosphärischem, dichten progressiven Metalrock, mit viel elegischen Keyboards und Piano Melodien und Parts, die bewußt nicht auf Hooklines und Refrains verzichten.

Vielen Dank für Eure kostbare Zeit, wir brauchen mehr Bands wie Euch!

Interview: Melanie Busch