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Tanja und Sascha im Interview

BlattTurbo und Boersma Records arbeiten nun enger zusammen. Mit einem Interview wollen wir euch das Label aus Essen etwas näher bringen.

Hallo ihr zwei. Bevor ich nun mit dem Interview beginne, wollte ich euch noch kurz einmal sagen, dass ich mich über die Zusammenarbeit mit euch freue. Stellt euch doch mal vor und erzählt mal was ihr so macht.
Hi Martin. Wir freuen uns auch über die Zusammenarbeit und denken, dass wir uns da bestimmt gut ergänzen werden. Dann beginnen wir mal mit der lustigen Vorstellungsrunde . Ich bin Sascha, Labelchef wenn Tanja nicht da ist. Spaß!!! Jetzt könnten wir ein Buch damit füllen, was wir alles machen. In erster Linie Musik veröffentlichen und die Promotion dafür zu koordinieren. Wir unterstützen die Bands in vielen Bereichen wie Merchandise, Booking und sonstige organisatorischen Angelegenheiten. Nun zu Tanja: Hi, wie erwähnt heiße ich Tanja und bin meistens dafür da, die Musiker überwiegend Männer samt Chef im Zaum zu halten Ich plane Termine, mache den Feinschliff bei Bands , helfe beim Booking aus oder muss auch mal den Finger heben, wenn es nicht so läuft wie es soll bei den Bands. Wir versuchen auf eine freundschaftliche Art mit den Bands zu arbeiten und den Geschäftspartner.

Wie kam es dazu, dass ihr euch so in der Musikszene einsetzen wolltet?
Ich bin seit Jahren im Musikbereich unterwegs. Anfangs schrieb ich noch für Magazine. Aber dies ist schon so lange her, da gab es noch Tapes und Schreibmaschinen. Schon in jungen Jahren war ich Manager von ein paar Bands, dadurch rutschte man in die Veranstaltungsbranche. Mehrere Jahre lang habe ich Veranstaltungen gemacht, da traten die Bands auch mal mit Verträgen von verschiedenen Labels an mich ran, die zum Teil zum Haare raufen waren. Ich hatte meine Ohren und Augen immer offen ob der Newcomerszene und so kam der Gedanke, dass es doch besser und anders gehen muss-insbesondere fairer- für die Bands. Durch die Erfahrungen als Manager und Veranstalter kann man sich sehr gut in alle Meinungen der Beteiligten hineinversetzen.

Warum Newcomer und nicht alt bekannte?
Altbekannte sollten wissen wie es geht. Wir wollen Newcomer helfen aus der Garage raus zu kommen, uns um die bemühen, die wirklich Hilfe brauchen. An vieles, was wichtig ist, denken Musiker nicht und genau da fängt unsere Arbeit an.

Da habt ihr recht. Der Underground braucht mehr Supporter auf ehrliche Art und Weise. Ihr habt ja so einige Bands unter Vertrag. Welches Genre liegt euch am besten?
Da mussten wir nun lachen. Der Grund liegt darin, dass unsere private Musikrichtung komplett auseinander geht. Tanja hört gerne alles, was rockig ist und ich lieber härteres, aber auch gerne Female Fronted Metal, was derzeit noch nicht im Label vertreten ist. Vom Grundsatz suchen wir immer das besondere, wie bei der Band Voicebreak, eine interessante Comedy A Capella Band.

Das heisst ihr seid breit gefächert was die Musik angeht. Würdet ihr sagen, es gibt bestimmte Genre aus dem ihr niemals eine Band unter Vertrag nehmen würdet?
Nun müssen wir nachdenken. Reggae , weil wir da keine Vermarktungsmöglichkeiten haben. Sonst kommt es immer auf die Band an. Wir müssen einfach merken, dass die Band diesen Schritt zum Label auch wirklich will und kann.

Nehmen wir an, BlattTurbo ist eine Band und würde gerne euch als Label. Wie darf man sich auf keinen Fall bei euch vorstellen?

Es ist ja so wie im wahren Leben, der erste Eindruck zählt. Es gibt keine genauen Regeln wie es laufen sollte, aber wenn links fehlen und man alles zusammen suchen muss, regt mich Tanja das sehr auf. Die Bands wollen doch ihre Musik vorstellen, dann sollte man wenigstens links dazu packen. Sascha liebt es, wenn ellenlange Texte kommen kicher. Das ist bei uns im Label eine Art Liebestöter.

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Sascha und Tanja Boersma

Okay. Dann machen wir mal gerade eine kleine Pause. Wie bei Himmelstürmer bitte ich euch darum, jetzt ein Selfi von euch zu machen. Nur BlattTurbo legt einen drauf. Beschreibt was ihr gerade dabei denkt, wenn ihr euer Selfi seht.
Professionell und locker, das versuchen wir auch unseren Bands zu vermitteln.

Ich verstehe. Zum Professionell sein gehört ein kaltes Getränk (grinse). Wie sieht ein Alltag bei euch am Schreibtisch aus?
Wir Grinsen auch! Eher zum, Lockeren gehört dies. Unser Alltag ist schwierig zu beantworten, da jeder Tag anders ist. Mal haben wir nur Außentermine Locations ansehen, Bandtreffen, Druckerein, mal ein reiner Bürotag, wo wir uns um die Promotion der Bands kümmern, Festivalbuchungen oder was sonst alles anfällt. Wie in jedem Betrieb, gibt es mal mehr mal weniger zu tun. Z.B. gibt es bei uns ein berühmtes Sommerloch, da dann alle Bands versorgt sind, auf Festivals gehen und selbst unsere Medienpartner kaum zu erreichen sind. Aber wir sind kreativ verrückt, da fällt uns immer was ein.

Kreative muss man sein um überleben zu können. Ihr zwei seid ja nicht nur beruflich Partner sondern auch im Privaten. Würdet ihr sagen das klappt gut und ist genau euer Dingen?
Komischerweise konnten wir schon immer gut zusammenarbeiten. Wir verstehen uns blind und jeder weiß, wo seine Stärken sind. Aber klar kracht es auch mal bei uns, Sascha ist eher der Konservative und ich die, die 5 auch mal gerade sein lässt und frei schnauze arbeitet. Das einzige, was immer schwer ist, ist die Trennung zwischen privat und beruflich. Man nimmt vieles noch mit in die private Zeit schon allein, weil wir eben sehr familiär mit unseren Bands umgehen und man gerade vor einem Release doch auch mal nachts um 23 Uhr angerufen wird. Aber wir sind froh, zusammenarbeiten zu können und ergänzen uns perfekt.

Das kann nicht jeder. Wie stolz macht es euch, Wenn eine eurer Bands was neues auf den Markt wirft?
Ein neuer Release ist immer etwas ganz besonderes, auch für uns alte Hasen. Ein Beispiel ist Toryse .Die Band aus Nürnberg haben wir seit 2 Jahren unter Vertrag. Ihr Release sollte schon 2016 sein, aber sie hatten soviel Pech mit den Sängern und der Suche danach, dass die EP erst jetzt am 18.05.2018 auf den Markt kommt. Das ist natürlich ganz besonders für uns, da wir lange darauf gewartet haben, und sie eine der ersten Bands ist, die wir unter Vertrag genommen haben.

Eine gute Anzahl von Bands glauben, dass Labels das böse Imperium sind. Welche Erfahrungen habt ihr mit den Bands gemacht, die solch ein denken hatten?
Viele Bands sehen den Mehrwert eines Labels nicht mehr. Sie meinen, man müsste Millionen verdienen und sie selbst könnten dies selber besser machen. Newcomer-Bands verkaufen nicht genug Platten, um es rentabel fürs Label wie auch für die Band zu gestalten.Hier muss man alternative Lösungen finden. Sie verstehen nicht das die Pressung , Promotion, Versand und Vertrieb auch mal locker 3000 Euro das Label kosten kann, die durch Verkäufe wieder reingeholt werden müssten. Dafür müssten 400 Scheiben verkauft werden um die Kosten einzuspielen.

Stimmt es auch, dass es eine Anzahl von Bands gibt, die denken: WoW, wir haben ein Label. Jetzt bringen die uns von alleine nach vorne. Stimmt dies zu oder eher nicht?
Grins. Stimmt. Ganz im Gegenteil , mit dem Labelvertrag fängt die Arbeit erst für alle an. Das Label nimmt der Band schon viel an Arbeit ab, insbesondere in der Promtion/ Booking Arbeit. Allerdings muss die Band auch abliefern.

Das heißt, eine Band die nur nörgelt und fordert und selber nur halbherzig dabei ist, würde von euch Feuer unterm Arsch bekommen?
Also, ich „Tanja“ bin dafür berühmt, Leuten Feuer unterm Arsch zu machen. Wir arbeiten, ja alle für das selbe Ziel und da muss man eben abliefern. Wir können nur so gut arbeiten wie die Bands uns zuspielen.

Kommen wir mal zu einer Frage, auf die einer von euch beiden schon wartet. Ich höre selber eher Metalcore/Hardcore und auch viel Punk und das, was alles so richtig auf die Fresse gibt. Was hört ihr Privat?
Ein dickes Grinsen kommt mir gerade entgegen. Also Sascha hört gerne Female Fronted Metal und Roberto Blanco. Nun wisst ihr was ich Tanja hier mitmachen muss . Kopfhörer sind was Feines. Ich höre gerne Deutschrock und sonst wechselt das immer mal zwischen unseren eigenen Bands.

Na die Mischung ist ja schon mal ordentlich vorhanden. Sagt mir doch nun, was steht als nächstes bei euch an?
Im Mai haben wir mehrere Veröffentlichungen und eine Tour. A Date With Mary gehen auf kleine Tour in mehreren Städten, die ich gebooked habe. Zudem haben Nancybreathing , Himmelstürmer, Versus und endlich auch Toryse, die lange auf Sänger suche waren, Release. Und unsere Band Pentarium veröffentlicht auch im Mai das zweite Album über uns.

Boersma Records und BlattTurbo wollen nun intensiver zusammen arbeiten. Was wünscht ihr euch?
Gegenseitige Unterstützung in Promotion und Werbung. Informationsaustausch. Blattturbo zu mehr Reichweite und Leserschaft verhelfen. Eventuell gemeinsame Ausrichtung von Festivals.

Das bekommen wir hin. Zum Abschluss vervollständigt bitte folgenden Satz: Boersma Records ist,…
ein familiäres Label. Zum Abschluss: Musik will gehört werden, fangen wir damit an!